Unterwäsche ist in der Welt der Mode weit mehr als nur eine textile Schicht unter der Oberbekleidung. Sie ist das Fundament jeder Silhouette und, im Falle von Lingerie-Shows, das absolute Highlight im Scheinwerferlicht. Für Models stellt die Präsentation von Wäsche jedoch eine besondere Herausforderung dar: Es gibt keinen Stoff, hinter dem man sich verstecken kann. Jede Pose, jede Bewegung und vor allem die Passform der Stücke stehen unter der unerbittlichen Lupe von Kamera und Publikum.
In diesem Fachbeitrag beleuchten wir die technischen und ästhetischen Aspekte des Lingerie-Stylings, die Arbeit hinter den Kulissen und warum gerade im Bereich Plus Size die richtige Wahl der Wäsche über den Erfolg einer gesamten Kollektionspräsentation entscheidet.
Ein häufiger Fehler bei Newcomer-Models ist die Annahme, dass das Styling erst beim sichtbaren Kleidungsstück beginnt. Erfahrene Profis wissen jedoch, dass das „Understyling“ – also die Wahl der richtigen Basis – den Fall eines Stoffes maßgeblich beeinflusst. Ein High-End-Abendkleid aus fließender Seide verliert augenblicklich seinen Wert, wenn sich die Konturen eines unpassenden Slips abzeichnen.
Für den Einsatz auf dem Laufsteg oder bei Editorial-Shootings gehört deshalb ein fest definiertes „Nude-Kit“ in jedes Model-Gepäck. Dieses besteht aus:
Seamless-Varianten: Nahtlose Unterwäsche in verschiedenen Hauttönen (Nude, Sand, Mokka), um unter hellen oder dünnen Stoffen unsichtbar zu bleiben.
Besonders im Segment der Plus Size Models hat das Thema Wäsche in den letzten Jahren eine revolutionäre Entwicklung durchgemacht. Es geht nicht mehr darum, den Körper durch Shapewear einzuengen oder zu verstecken. Vielmehr steht die Akzentuierung der Kurven im Fokus.
Ein professionelles Plus Size Model nutzt Unterwäsche als Werkzeug, um die eigene Körperhaltung zu unterstützen und die Proportionen harmonisch in Szene zu setzen.
Für die Vorbereitung auf Castings oder Test-Shootings ist es für Models ratsam, sich an Marken zu orientieren, die das Handwerk der Passform perfektioniert haben.
Ein tieferer Blick in spezialisierte Kollektionen, zeigt auf, wie moderne Schnitttechniken – etwa durch verstärkte Seitenteile oder innovative High-Waist-Lösungen – die nötige Sicherheit für den Runway bieten.
Diese technischen Details erlauben es dem Model, sich vollends auf die Mimik und den Walk zu konzentrieren, da die Formgebung durch die Wäsche bereits antizipiert wurde.
Lingerie-Präsentationen erfordern vom Model eine enorme mentale Präsenz. Da die physische Barriere der Kleidung fast vollständig wegfällt, muss das Selbstbewusstsein von innen kommen. Hier spielt das Styling eine psychologische Rolle: Nur wenn die Wäsche perfekt sitzt, nicht zwickt oder rutscht, kann das Model die nötige Leichtigkeit ausstrahlen.
Auf dem Laufsteg ist die Körperspannung bei Unterwäsche-Präsentationen um 20 % höher anzusetzen als bei Casual Wear. Jede Muskelpartie ist sichtbar. Ein geschicktes Styling nutzt hier Lichtreflexe: Ein dezenter Body-Glow auf den Schlüsselbeinen und Schienbeinen, kombiniert mit perfekt sitzender Lingerie, lässt die Haut unter den Scheinwerfern lebendig und straff wirken.
Ob in der Schaufenster-Kampagne in Düsseldorf oder auf den internationalen Runways – das Wissen um das richtige Unterwäsche-Styling unterscheidet das Amateuroptik vom Profi-Look. Für Models bedeutet das, den eigenen Körper und die Anforderungen der Designer genau zu kennen. Unterwäsche ist das unsichtbare Gerüst der Modeindustrie. Wer lernt, dieses Gerüst für sich zu nutzen, wird auf dem Laufsteg nicht nur Kleidung präsentieren, sondern eine unvergleichliche Aura von Eleganz und Souveränität verkörpern.